Startseite » Symptome » Netzhautablösung

Netzhautablösung Symptome, Ursachen & Krankheitsverlauf

Die Netzhautablösung ist eine Erkrankung des Auges, bei der sich die Netzhaut, die innere lichtempfindliche Schicht des Auges, von der sie ernährenden Versorgungsschicht, der sogenannten Aderhaut, ablöst und abtrennt. Der medizinische Fachausdruck für die Netzhautablösung lautet Ablatio retinae oder Amotio retinae. Der grobe Aufbau des Auges besteht aus den folgenden drei grundlegenden Schichten: der Lederhaut oder Sklera, der Aderhaut oder Chorioidea und der Netzhaut oder Retina. Die Lederhaut entspricht der sichtbaren weißen äußeren Schicht des Augapfels. Die Lederhaut ist im hinteren Teil des Auges ausgekleidet mit der Aderhaut. Die Aderhaut ist eine Gewebeschicht, die sehr reich ist an Blutgefäßen, und dient der Versorgung und Ernährung der anliegenden Netzhaut. Die Netzhaut ist die Innenauskleidung des Augapfels. Sie enthält die Sehzellen bzw. Fotorezeptoren sowie eine große Anzahl an Nervenzellen und Nervenfasern. Der Sehnerv, der durch die Lederhaut oder Sklera aus dem Auge herausführt, besteht aus einem dichten Bündel von Millionen von Nervenfasern. Das Nervenfaserbündel des Sehnervs leitet die Sehinformationen an das Gehirn weiter. Dasjenige Areal auf der Netzhaut, das das scharfe und fokussierende Sehen ermöglicht und die größte Auflösung besitzt, wird als Sehzentrum, Makula oder gelber Fleck bezeichnet. Wird die Makula beschädigt, ist das Lesen oder Autofahren beispielsweise nicht mehr möglich. Die restlichen Teile der Netzhaut, die die Makula umgeben, dienen dem peripheren Sehen, also demjenigen, was man nebenbei aus den Augenwinkeln an der Peripherie des Gesichtsfeldes wahrnimmt. Das Innere des Augapfels schließlich ist mit einer gelartigen klaren Flüssigkeit gefüllt, dem sogenannten Glaskörper. Das Glaskörpergel ist von einer sehr dünnen Membran, der Glaskörpergrenzmembran, eingeschlossen, die an der Netzhaut anhaftet. Wenn sich bei der Netzhautablösung die Netzhaut von der Aderhaut ablöst, dann werden die Sinneszellen an der Stelle, wo sich die Netzhaut abhebt, nicht mehr mit Nährstoffen und mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Wenn die Sinneszellen absterben, sind Funktionsstörungen, die sich als Gesichtsfeldausfälle darstellen, die Folge. Meist sammelt sich zwischen den beiden Schichten von Netzhaut und Aderhaut Flüssigkeit, so dass sich die Netzhaut in Form einer Blase in den Augapfel hineinwölbt. In vielen Fällen breitet sich die Netzhautablösung durch Flüssigkeitsunterspülung sehr schnell, meist in nur ein paar Stunden, in Richtung Sehzentrum (Makula) aus. Unbehandelt führt die Netzhautablösung zum Verlust des Sehvermögens und zur Erblindung.

Entstehung der Netzhautablösung

Inhaltsverzeichnis zum Thema Netzhautablösung

NetzhautablösungAm Beginn einer Netzhautablösung steht als häufigste Ursache eine Schrumpfung des Glaskörpers. Der Glaskörper ist eine klare, gallertartige Masse, dem Eiklar eines Eies ähnlich, die den Augapfel ausfüllt. Wenn der Glaskörper an Flüssigkeit verliert, dann degeneriert er und schrumpft, ähnlich wie ein Luftballon, aus dem etwas Luft herausgelassen wird. Durch das Schrumpfen kann sich der Glaskörper von der Netzhaut ganz lösen oder ein Ziehen der Netzhaut ins Innere des Augapfels bewirken. Den Vorgang der Loslösung des Glaskörpers von der Netzhaut bezeichnet man auch als Glaskörperabhebung. Eine Glaskörperabhebung kommt relativ häufig vor und ist als solche noch nicht gefährlich. Sie führt in der Regel auch nicht zu einer Netzhautablösung. Etwa 60% der Bevölkerung haben eine Glaskörperabhebung, vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter. Der Schrumpfungsprozess des Glaskörpers wird meist von einer Trübung des Glaskörpers begleitet. Die im Glaskörper gelösten Substanzen (Eiweiße und Gewebefasern) sind ursprünglich sehr fein verteilt, so dass sie nicht sichtbar sind und der Glaskörper vollständig durchsichtig erscheint. Durch die Schrumpfung und den Flüssigkeitsverlust entstehen verdichtete Teilchen und Strukturen, die plötzlich sichtbar werden. Betroffene sehen dann schwimmende Schlieren, mückenartig tanzende Gebilde oder graue, schwirrende Punkte. Der medizinische Fachausdruck für die im Glaskörper herumschwimmenden verdichteten Teilchen und Strukturen ist Mouches volantes. Er stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „fliegende Mücken“, da von vielen Betroffenen die verdichteten Strukturen als herumschwirrende Mücken wahrgenommen und beschrieben werden. Die Mouches volantes sind nur gegen genügend helles Licht, zum Beispiel gegen den klaren blauen Himmel oder in einer weißen Schneelandschaft deutlich zu erkennen. Die Glaskörpertrübungen als solche sind im Auge nämlich gar nicht sichtbar, sondern nur der Schatten, den sie auf die Netzhaut werfen. In den meisten Fällen entwickelt sich die Glaskörperabhebung schleichend und unauffällig. Bei etwa 10% der Fälle jedoch tritt sie plötzlich und sehr heftig auf. Die Glaskörperfasern ziehen hier ganz besonders stark an der Netzhaut. Man spricht dann von einer akuten Glaskörperabhebung. Bei 10% der Fälle der akuten Glaskörperabhebung wiederum ist der Zug an der Netzhaut so stark, dass sie einreißt und ein Loch oder ein Riss in der Netzhaut entsteht. Ein Netzhautloch oder Netzhautriss führt wiederum bei 10–25% der Fälle zu der gefährlichen Netzhautablösung. Durch das Loch oder den Riss kann die im Auge befindliche Flüssigkeit hinter die Netzhaut strömen. Durch die Unterspülung löst sich die Netzhaut mehr und mehr von der unterliegenden Aderhaut ab. Die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen wird dadurch unterbrochen und die betroffenen Sehzellen der Netzhaut sterben ab. Innerhalb weniger Stunden kann sich die zunächst örtlich begrenzte Netzhautablösung durch Unterspülung über die gesamte Netzhautfläche ausdehnen. Diese Art der Netzhautablösung wird auch als rissbedingte Netzhautablösung (rhegmatogene amotio retinae) bezeichnet. Außer der rissbedingten Netzhautablösung, die am häufigsten vorkommt, gibt es noch andersartig verursachte Formen der Netzhautablösung wie die verletzungsbedingte Netzhautablösung, die zugbedingte Netzhautablösung (traktive amotio retinae), die flüssigkeitsbedingte Netzhautablösung (seröse amotio retinae) oder die tumorbedingte Netzhautablösung.

Symptome der Netzhautablösung

Die Symptome einer akuten Glaskörperabhebung und einer Netzhautablösung im Anfangsstadium sind nicht zu unterscheiden. Da die Netzhaut keine Schmerzfasern besitzt, treten als Symptome der Netzhautablösung auch keine Schmerzen auf. Klassische Symptome, die auf eine Netzhautablösung hinweisen können, sind das plötzliche Sehen von Schlieren, Trübungen, fliegenden Mücken, Spinnweben, Lichtblitzen, eines rötlich-schwarzen Rußregens oder Ascheregens, von Flocken, Rauchwolken, Nebelerscheinungen, größeren Mengen kleiner schwarzer Punkte sowie das Aufsteigen und Größerwerden eines Schattens, eines Vorhangs oder einer dunklen Wand, die sich von oben, von unten oder von der linken oder rechten Seite ins Gesichtsfeld schieben. Die Reihenfolge der aufgelisteten Symptome beschreibt zugleich ihren Rang als Warnsignal. Die zuerst genannten Symptome verweisen meist auf eine relativ harmlose Glaskörperabhebung, während die zuletzt genannten schon sehr deutliche Warnzeichen einer Netzhautablösung sein können. Wenn der Glaskörper schrumpft, werden Mouches volantes, also faserige und schleierartige Trübungen, vermehrt gesehen. Gibt es eine ringartige Verdichtung des Glaskörpermaterials in der Nähe um den Sehnerv, wird dies meist als eine Art Spinnennetz oder auch als ein dicker Klumpen wahrgenommen. Die verdichteten Strukturen und Trübungen des Glaskörpers bewegen sich außerdem bei jeder kleinen Augenbewegung in einer schwimmenden und schwappenden Art und Weise mit. Dies empfinden Betroffene meist als sehr störend. Mouches volantes werden besonders deutlich auf einem hellen Hintergrund gesehen. Das Symptom der Lichtblitze wird wahrgenommen, wenn bei einer Glaskörperschrumpfung der Glaskörper noch mit der Netzhaut an bestimmten Stellen verbunden ist. Bei ruckartigen Bewegungen des Auges zieht der geschrumpfte Glaskörper dann an der Netzhaut. Durch den Zug an der Netzhaut wird eine rein mechanische Erregung der Sinneszellen bewirkt, die als Lichtphänomene und Blitze gesehen werden. Diese Lichtblitze im Auge werden auch mit geschlossenen Augen wahrgenommen und sind besonders deutlich im Dunkeln und in der Dämmerung zu sehen. Durch heftige Kopfbewegungen können sie noch verstärkt werden. Das Symptom des Sehens eines rötlich-schwarzen Rußregens oder Ascheregens, von roten oder dunklen Flocken oder bräunlich-schwarzen Punkten oder Partikeln ist auf das Reißen winziger Blutgefäße bei der Glaskörperabhebung zurückzuführen.

Diese Blutung besteht nur aus mikroskopisch kleinen Partikeln. Sie ist meist harmlos und verschwindet auch wieder von allein. Wenn es jedoch bei der Ablösung des Glaskörpers von der Netzhaut nicht nur zur Verletzung vereinzelter Blutgefäße kommt, sondern zu einem Netzhautriss oder einem Netzhautloch, dann kann es auch zu einer stärkeren Blutung kommen. Der Netzhautriss ist im schlimmsten Fall die Vorstufe zur Netzhautablösung. Ein sehr starker Ascheregen ist als Symptom sehr ernst zu nehmen. Die Symptome einer tatsächlichen Netzhautablösung zeigen sich zuerst durch Schatten und Verdunkelungen im peripheren Gesichtsfeld. Meist wird eine Art dunkle Wand, ein dunkler Schatten oder ein dunkler Schleier an der Peripherie des Gesichtsfeldes gesehen, der sich kontinuierlich zum Sehzentrum hin verschiebt. Je nachdem in welchem Bereich der Netzhaut die Ablösung beginnt, ob oben, unten, links oder rechts, beschreiben Betroffene dieses Symptom so, als ob ein schwarzer Vorhang von oben herab fällt, oder als ob eine dunkle Wolke oder Blase von links oder rechts im Gesichtsfeld erscheint, oder als ob von unten eine dunkle Wand oder Mauer hochgezogen wird, bzw. als ob dunkle Nebelschwaden oder Rauchschleier von unten aufsteigen. Diese flächigen dunklen Gebilde eines Gesichtsfeldausfalls, die sich in Richtung des Sehzentrums ausweiten, sind verursacht durch eine abgelöste Netzhaut, die keine Seheindrücke mehr ans Gehirn weiterleiten kann. Wird das Sehzentrum (Makula) von der Netzhautablösung erreicht, ist kein scharfes Sehen mehr möglich, und es kann oft nur noch zwischen hell und dunkel unterschieden werden. Wird die Netzhautablösung spätestens in diesem Stadium nicht behandelt, droht der Verlust der Sehkraft. Von den oben beschriebenen Symptomen der Netzhautablösung zu unterscheiden, sind ähnliche Symptome anderer Erkrankungen. Bestimmte Verdunkelungen wie zum Beispiel das komplette Schwarzwerden vor einem oder vor beiden Augen ist oft auf Durchblutungsstörungen zurückzuführen. Das Symptom der Lichtblitze im Auge ist nicht zu verwechseln mit einem Flimmern vor den Augen, wie es zum Beispiel häufig bei Migränikern auftritt. Auch Lichtblitze, die morgens unmittelbar beim Aufwachen gesehen werden, sind meist keine Anzeichen einer Netzhautablösung, sondern durch Trockenheit der Augen bedingt.