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Blutvergiftung Symptome, Ursachen & Krankheitsverlauf

Die Bezeichnung Blutvergiftung ist volkstümlich und ein wenig irreführend. Mediziner sprechen von der Sepsis, der grundsätzlich eine Infektion zu Grunde liegt. Der erste, der dies erkannte, war der ungarische Arzt Ignaz Semmelweis, der seit 1846 an der „geburtshilflichen Abteilung des allgemeinen Krankenhauses“ in Wien arbeitete. Er stellte fest, dass in der einen Geburtshilfeabteilung doppelt so viele Frauen am „Kindbettfieber“ starben, wie in der anderen. Es stellte sich heraus, dass Studenten, die zuvor bei ihren Studien mit Leichen in Berührung gekommen waren, die Mütter mit Bakterien infiziert hatten. Häufig starben die Frauen dann innerhalb weniger Tage. Semmelweis fand heraus, dass ein Mindestmaß von Sauberkeit die Zahl der Erkrankungen dramatisch sinken ließ. Was Semmelweis indes noch nicht wusste: Kindbettfieber und Blutvergiftung sind im Grunde die gleiche Krankheit, nämlich Sepsis. Trotz großer Fortschritte in der Medizin und deutlich gestiegenen Hygiene-Standards sterben jedes Jahr alleine in Deutschland rund 60.000 Menschen an der Sepsis. Sie ist damit nach Krebs und Herz-/Kreislauferkrankungen die dritthäufigste Todesursache.

Symptome

Inhaltsverzeichnis zum Thema Blutvergiftung

BlutvergiftungEin Grund, warum die Sepsis so gefährlich ist, besteht in ihrem bisweilen indifferenzierten Verlauf. Zu Beginn einer Infektion gleichen die Symptome doch sehr den Anzeichen einer ganz normalen Erkältung. Fieber gehört meistens zu den ersten Reaktionen. Die Temperatur liegt dann über 38 Grad. Schüttelfrost kann hinzukommen. In wenigen Fällen dagegen kann die Körpertemperatur sogar auf 36 Grad fallen. Schmerzen beim Wasserlassen können ebenso schon ein Symptom sein, wie leichte Kopfschmerzen. Entscheidend ist, wo der Infektionsherd im Körper sitzt. Entsprechend fallen die unterschiedlichen Reaktionen aus. Doch es kommen noch mehr Anzeichen hinzu. Meist geht eine Sepsis mit einer flachen, schnellen Atmung einher. Der systolische Blutdruck fällt auf einen Wert von unter 90 Millimeter/Quecksilbersäule. Auch der Puls ist beschleunigt und schlägt mehr als 90 Mal in der Minute. Es kann zudem eine Verwirrtheit des Patienten auftreten. Charakteristisch für eine Sepsis ist, dass sie sehr schnell verläuft. Daher ist auch höchste Eile geboten, wenn der Verdacht auf eine sogenannte „Blutvergiftung“ besteht. Dabei wird die nicht immer nur durch den berühmten „rostigen Nagel“ verursacht. Alle möglichen Dinge können eine Sepsis auslösen. Das kann eine entzündete Wunde sein, genauso wie ein schmerzender Zahn, der nicht behandelt wurde, eine Verunreinigung im Essen oder Schmutz von der Straße. Ist eine Hirnhautentzündung (Meningitis) der Auslöser für die Sepsis, können sich auf der Haut rote und blaue Punkte bilden. Dagegen ist ein anderes Symptom nicht mehr als eine Legende. Häufig wird vor einem „roten Strich“ auf der Haut gewarnt, der sich dann auch noch langsam dem Herz nähere. Mit einer „Blutvergiftung“ oder gar einer Sepsis hat das zunächst wenig zu tun. Eher ist ein solcher Streifen ein Hinweis auf eine Entzündung im Lymphgewebe, auf eine sogenannte „Lymphangitis“. Allerdings gilt auch für die Lymphangitis das gleiche wie für alle anderen Entzündungen. Auch sie kann ein Ausgangspunkt für eine Sepsis werden. Eigentlich ist eine Sepsis nichts anderes als eine Überreaktion des Immunsystems. Die Mechanismen, die den Körper eigentlich vor den eindringenden Bakterien beschützen sollten, spielen verrückt und greifen nun das eigene Gewebe an.

Diagnose

Die Diagnose „Sepsis“ ist häufig nicht leicht zu stellen. Vergleichsweise einfach ist es für den Arzt, wenn sich die Entzündung über eine offene Wunde verbreitet hat, die gut sichtbar und leicht zugänglich ist. Trotzdem kann er sich dann noch immer nicht sicher sein, dass es sich um eine Sepsis handelt. Genauen Aufschluss kann nur eine Blutuntersuchung geben, die sich aber ähnlich schwierig gestaltet, wie die Bewertung der Symptome. So können zum Beispiel die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, entweder vermehrt oder vermindert im Blut vorkommen. Eine Blutuntersuchung kann vor allem auch darüber Aufschluss geben, ob andere Organe bereits von der Sepsis befallen sind. Obwohl eine genaue Diagnose nicht einfach ist, muss sie doch sehr genau stimmen, um den Patient entsprechend behandeln zu können. Deshalb ist es bei einer Sepsis stets von hoher Bedeutung, den Infektionsherd ausfindig zu machen. Nur wenn der gefunden ist, ist es möglich, genauere Angaben darüber zu erhalten, welche Art von Eindringlingen nun den Körper des Patienten befallen hat. Gegen ihn kann dann ganz gezielt vorgegangen werden. Da sowohl Ursache, Ausbruch und Verlauf der Krankheit keinem einheitlichen Muster folgen, ist es auch schwierig, die Sepsis mit einer Behandlungsart zu bekämpfen.

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Behandlung

Da es sich bei der Sepsis um eine Bakterieninfektion handelt, ist die erste Wahl der Therapie natürlich eine Behandlung mit Antibiotika. Das freilich ist eine zweischneidige Angelegenheit, weil sich bei den Erregern Resistenzen bilden können, das heißt, dass ein bestimmtes Antibiotikum bei einem bestimmten Erreger unwirksam wird. Trotzdem ist es wichtig, den Herd der Entzündung ausfindig zu machen und den Erreger zu bekämpfen. Bei offenen Wunden kann das durchaus auch mal mit chirurgischen Mitteln geschehen, in dem zum Beispiel abgestorbenes Gewebe entfernt wird. Darüber hinaus ist es wichtig, bei einer schweren Sepsis, den Kreislauf zu stabilisieren, Blutdruck und Herzschlag wieder ins Lot zu bekommen. Im Falle eines schweren Krankheitsverlaufes wird der Patient auch auf der Intensivstation behandelt. Die Nachwirkungen eine Sepsis können sich oft noch Wochen und Monate bemerkbar machen. Die Bewegungsabläufe können gestört, die Muskeln geschwächt oder die Nerven angegriffen sein. Darüber hinaus kann es auch zu Depressionen kommen.

Vorbeugung

Einen effektiven Schutz vor der Sepsis kann es nicht geben. Infektionen können jeden Menschen jederzeit treffen. Es ist wissenschaftlich auch noch nicht geklärt, warum die eine Infektion zu einer Sepsis führt, die andere nicht. Ein starkes eigenes Immunsystem kann damit zu tun haben. Deshalb ist es sinnvoll, auf eine gute Ernährung mit viel Vitaminen zu achten und darüber hinaus mit Sport das Immunsystem zu stärken. Das alles kann die Wahrscheinlichkeit einer Infektion nicht unbedingt verhindert, möglicherweise aber, dass sich die Infektion zur Sepsis ausweitet. Eine Prophylaxe hingegen gilt heute noch wie seit den Zeiten von Ignaz Semmelweis: Hygiene kann Infektionen vorbeugen. Das bedeutet zum Beispiel vor dem Essen stets gründlich die Hände zu waschen und vielleicht auch manchmal zwischendurch. Wer keine Erreger an den Finger hat, kann sich und andere damit nicht anstecken.