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Masern Symptome, Ursachen & Krankheitsverlauf

Masern werden durch eine Infektion mit dem Maservirus hervorgerufen. Das zwischen 120 und 140 Mikrometer große Virus wird nur von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen. Wer sich einmal mit dem hoch ansteckenden Masernvirus infiziert hat, erwirbt lebenslängliche Immunität gegen die Krankheit. Die typische Kinderkrankheit ist meldepflichtig. In einem ersten drei- bis maximal fünftägigen Stadium (Vorläufer-, Initial- oder Prodromalstadium) macht sich die Erkrankung mit Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Bronchitis, Bindehautentzündung und Fieber bemerkbar. Die Bindehautentzündung (Konjunktivitis) äußert sich in tränenden Augen. Der trockene Husten klingt bellend. Der Erkrankte wirkt verquollen und aufgedunsen und klagt über Lichtempfindlichkeit. Im Bereich der vorderen Backenzähne bilden sich ab dem zweiten oder dritten Krankheitstag für zwei bis drei Tage auf der Mundschleimhaut fest anhaftende, weiß gesprenkelte Flecken aus, die wie Kalkspritzer aussehen und von einem rötlichen Hof umgeben sind (sog. Koplik-Flecken). Während des dritten Tages der Masernerkrankung befällt ein rötliches Enanthem (Schleimhautausschlag) alle Rachen- und Mundschleimhäute. Gleichzeitig kommt es zu einem ersten starken Fieberanstieg. Zum Ende des Vorläuferstadiums geht das Fieber wieder vollständig zurück. In einem darauf folgenden vier- bis siebentägigem Stadium (Exanthemstadium) entsteht der für Masern typische, rot gefleckte Hautausschlag, in dem sich die Symptome des Vorläuferstadiums ausweiten. Zuerst bilden sich ungleichförmig begrenzte, dunkelrote Flecken auf beiden Seiten des Halses und hinter den Ohren (Exanthem) aus, die rasch miteinander verschmelzen und sich auf dem Rumpf sowie an Beinen und Armen (ausgenommen Fußsohlen und Handflächen) verbreiten, während sie im Gesicht bereits verblassen. Diese zweite Phase, die – aufgrund von durch das Virus verursachten Hautschädigungen – von kleineren Hautblutungen begleitet sein kann, zeigt einen Fieberanstieg bis auf 40 °C, der etwa am vierten Tag zurückgeht, an dem auch der rötliche Masernausschlag die Füße erreicht. In einem dritten Stadium gewinnt der sich allmählich erholende Körper bei komplikationsfreiem Krankheitsverlauf seine Abwehrkräfte zurück. Bei Zurückgehen des rötlichen Hautausschlages kommt es bis auf den Bereich der Hände und Füße zu leichten Schuppenbildungen auf allen betroffenen Hautflächen. Auch die übrigen Masernsymptome bilden sich zurück. Das Erholungsstadium umfasst etwa zwei Wochen. Neben der typischen Maserung der Haut weisen auch Masern-Antikörper und Erbgut des Virus (RNA) im Blut auf eine Masern-Erkrankung hin. Bei zusätzlich durch das Virus ausgelöster Enzephalitis (Gehirnentzündung) kann der Erreger durch Lumbalpunktion nachgewiesen werden, bei der dem Rückenmark Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) entnommen wird.

Spezielle Formen

Inhaltsverzeichnis zum Thema Masern

MasernEine Erkrankung kann auch in den speziellen Formen der plötzlichen und der abgeschwächten Masern auftreten: Abgeschwächte Masern treten bei Säuglingen auf, die noch über mütterliche Antikörper verfügen. Ebenso können Patienten an abgeschwächten Masern erkranken, die Antikörpermedikamente erhalten haben. Diese Form der Masern verfügt über eine verlängerte Inkubationszeit (Zeitraum zwischen der Infizierung und dem Auftreten von Krankheitssymptomen). Außerdem sind die Krankheitsanzeichen abgeschwächt und die Gesamterkrankungsdauer verkürzt. Die plötzlich beginnenden Masern, die eine verkürzte Inkubationszeit aufweisen, haben dagegen einen sehr schweren Verlauf. Diese sog. foudroyanten Masern entstehen vor allem bei geschwächtem Immunsystem und sind durch extrem hohes, lang anhaltendes Fieber bis zu über 40 °C (Hyperpyrexie), Blutungen von Haut und Schleimhäuten sowie Krämpfen gekennzeichnet. Entsteht ein Kreislaufschock, verblasst der Masern-Hautausschlag. Bei Patienten mit Immunschwäche fehlt zum Teil der für Masern eigentlich typische Hautausschlag. Schwer verlaufende foudroyante Masern können einen tödlichen Ausgang nehmen.

Komplikationen

In 20 bis 30 % der Masernfälle treten Komplikationen in Form weiterer Erkrankungen auf. Die Angaben zur Sterblichkeitsrate bei Masernkomplikationen sind sehr unterschiedlich. Während das Robert-Koch-Institut von einer Quote von einem Toten bei 20.000 Erkrankungen ausgeht, sterben laut dem „Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten“ der Europäischen Union 3 von 1.000 Erkrankten. In der Dritten Welt erreicht die Sterblichkeitsrate sogar bis zu 25 %. Häufigste Todesursache unter den Komplikationen ist die Lungenentzündung. Besonders häufig erkranken die unter Komplikationen leidenden Masernpatienten an Durchfall (Diarrhoe), Mittelohrentzündungen (Otitis media) und Lungenentzündungen (Pneumonie). Die gefährlichste Komplikation bei Masern stellt die Masernpneumonie dar. Die Schädigung der obersten Hautschichten der Atmungsorgane (respiratorisches System) durch das Masernvirus löst eine Anfälligkeit für Bakterieninfektionen aus (sog. Superinfektionen), die aber bereits aufgrund der durch den Masernvirus verursachten allgemeinen Abwehrschwäche entstehen kann. Bei der Masernpneumonie entzünden sich die kleinsten Bronchien der Lunge (Bronchiolitis), was zu Atemproblemen führt. Da bei einer körperlichen Untersuchung keine krankheitsspezifischen Symptome der Masernpneumonie festgestellt werden können, muss eine Röntgenuntersuchung durchgeführt werden. Einer von eintausend Masernerkrankten erleidet eine zusätzliche Meningoenzephalitis (Gehirn- und Gehirnhautentzündung), die bei etwa 15 bis 20 % der Erkrankungsfälle tödlich endet. Weitere 20 bis 40 % der Patienten behalten dauerhafte Gehirnschäden. Im Zeitraum zwischen 3 und 11 Tagen nach Beginn des Exanthem-Stadiums der Masernerkrankung kann sich eine Meningoenzephalitis entwickeln.

Auftretende Symptome sind von Fieber begleitete Kopfschmerzen, Erbrechen, Nackensteifheit sowie Störungen des Bewusstseins bis hin zum Koma. Auch epileptische Anfälle sind möglich. Aus einer Lumbalpunktion gewonnenes Hirnwasser zeigt erhöhte Eiweißkonzentrationen und Zellvermehrungen (Pleozytose). Ist das Immunsystem von Kindern geschwächt (angeboren oder später erworben), so kann sich eine sogenannte Einschlusskörperchenenzephalitis ausbilden, die zumeist binnen Jahresfrist nach einer Masernerkrankung entsteht, zu schwer zu behandelnden Krämpfen führt und gewöhnlich nach einigen Monaten tödlich endet. Anzeichen der Erkrankung lassen sich einer Gehirngewebeprobe (Biopsie) entnehmen. Bei schwerer Immunschwäche darf wegen des Risikos einer Enzephalitis keine Masernimpfung erfolgen. Einer von einer Million Masernkranken erkrankt an der ausnahmslos tödlich verlaufenden subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE). Dabei handelt es sich um eine potentiell alle Bereiche des Gehirns betreffende („generalisierte“) Entzündung, bei der Nervenzellen entmarkt (Demyelinisierung) und schwerste Gehirnschädigungen verursacht werden. Bei der SSPE kommt es zunächst zu Demenzerscheinungen und psychischen Störungen, dann zu epileptischen Anfällen und Muskelkrämpfen und schließlich zu umfangreichen Großhirnschädigungen. Typische Symptome der SSPE zeigen sich bei Durchführung einer Elektroenzephalografie (EEG), mit der die Schwankungen der Kopfoberflächenspannung gemessen werden. Es wird geschätzt, dass einer von 10.000 Maserninfizierten an SSPE erkrankt. Zu den möglichen Nebenerkrankungen gehören ferner die Epiglottitis (lebensbedrohliche Kehldeckelentzündung, Pseudokrupp)), eine generalisierte (den ganzen Körper betreffende) Lymphknotenschwellung, eine Leberentzündung (Hepatitis) und eine Wurmfortsatzentzündung (Appendizitis). Nur in Einzelfällen treten Nierenentzündungen (Glomerulonephritis) und Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) auf.