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Nesselsucht Symptome, Ursachen & Krankheitsverlauf

Die die Haut betreffende Nesselsucht (Urtikaria) macht sich durch Juckreiz und Hautquaddeln bemerkbar. Urtikaria kann durch verschiedenste Faktoren wie z. B. Druck, Kälte, Wärme, Licht, Wasser, Medikamente, Nahrungsmittel oder Stress ausgelöst werden. Typische Symptome einer Nesselsucht sind Juckreiz, der in ein brennendes Gefühl übergehen kann, ein quaddelförmiger, rosa-roter Hautausschlag sowie zuweilen das Auftreten von Angioödemen. Ein Angioödem ist eine Gewebeschwellung, die nicht nur die Haut, sondern auch tieferliegende Gewebeschichten umfasst. Unmittelbare Ursache der Hautveränderungen ist zumeist die Freisetzung des Botenstoffes Histamin durch die sog. Mastzellen, die zum Abwehrsystem des Körpers gehören. Histamin erweitert die Blutgefäße in der unter der obersten Hautschicht (Epidermis) liegenden Lederhaut (Dermis) und führt dort zu Wassereinlagerungen. Der Juckreiz beginnt häufig an einer einzelnen Körperstelle. Bei Nesselsucht fällt häufig auf, dass die Erkrankten die juckende Hautstelle (anders als bei Ekzemen) nicht aufkratzen, sondern an ihr reiben. Als zweites Symptom tritt schließlich ein leicht roter Hautausschlag (Quaddeln) auf, der Ähnlichkeit mit einer durch Brennnesseln oder bei Mückenstichen hervorgerufenen Hautreizung aufweist. Größere Quaddeln sind oft hellrot oder weißlich gefärbt. Die Quaddeln sind zwar unregelmäßig geformt, doch grenzen sie sich klar von den nicht betroffenen Hautzonen ab. Der Durchmesser der einzelnen Quaddeln kann einige Millimeter, aber auch die Größe eines Handtellers erreichen. Dabei kommen sowohl lokal eng begrenzte als auch weite Teile der Haut umfassende Formen der Nesselsucht vor. Die Nesselsucht-Quaddeln zeichnen sich durch die räumliche Variabilität ihres Auftretens aus: Während sich die Quaddeln an einer Hautstelle zurückbilden, treten sie an einer anderen Stelle neu auf. Einzelne Quaddeln können auch mit benachbarten Quaddeln zu einer einzigen großen Quaddel „zusammenwachsen“. In den meisten Fällen kommt es zu einer Rückbildung der Quaddeln innerhalb von 24 Stunden. Es wird allerdings von Fällen berichtet, in denen sich die Nesselsucht-Symptomatik über Wochen oder sogar über viele Jahre und Jahrzehnte zeigt. Bei einer akuten Urtikaria treten die Nesselsucht-Symptome innerhalb eines sechswöchigen Zeitraums in zumeist täglichen Intervallen auf. Ist eine Nesselsucht chronisch geworden, können Quaddeln auch in größeren Abständen und in einem sechs Wochen übersteigenden Gesamtzeitraum entstehen. Das Nesselsucht-Symptom „Angioödem“ entsteht durch Anreicherung von Flüssigkeit im Gewebe unterhalb der Haut oder einer Schleimhaut. Besonders häufig bilden sich Angioödeme an Füßen, Händen, im Gesicht und in der Genitalregion. Auch die Schleimhäute der Zunge oder des Kehlkopfbereiches können von einem Angioödem betroffen sein. Die Angioödem-Schwellungen des Untergewebes dauern bis zu 3 Tage und damit zumeist länger als die Quaddelbildungen an der Hautoberfläche. Bei ungefähr 10 % der an Nesselsucht Erkrankten treten nur Angioödeme und keine Quaddeln auf. Ist eine Allergie ursächlich für die Ausbildung einer Nesselsucht, kann in Einzelfällen ein anaphylaktischer (allergischer) Schock ausgelöst werden, der zu einem lebensgefährlichen Herz-Kreislauf-Versagen führen kann. Ein solcher Schockzustand macht daher eine sofortige medizinische Notfall-Behandlung erforderlich. Ein allergischer Schock zeigt sich in einem abfallenden Blutdruck und in einer Kreislaufschwäche, die bis zur Bewusstlosigkeit führen kann. Häufig treten auch – sich steigernde – Angstgefühle und Unwohlsein auf, das mit Erbrechen sowie Durchfall und Urinabgang verbunden sein kann. Bei sich verkrampfenden und sich dadurch verengenden Atemwegen kann es zu Atemnot kommen. Auch ein zunehmender Herzschlag bis hin zum Herzrasen ist ein Symptom eines anaphylaktischen Schocks. Die Verbindung aller dieser Schockanzeichen kann einen Atemstillstand und ein Herz-Kreislaufversagen bewirken. Dauert eine (insbesondere chronisch gewordene) Nesselsucht länger an, lassen sich ihre Symptome durch die Verabreichung von Antihistaminika oder durch kortisonhaltige Präparate unterdrücken. Antihistaminika hemmen die Wirkung des Botenstoffs Histamin.

Verfahren zur Ermittlung von Nesselsucht-Symptomen

NesselsuchtWichtige Hinweise auf eine Nesselsucht können sich aus der Krankheitsgeschichte ergeben. Insbesondere ist von Bedeutung, ob beim Betroffenen in der Vergangenheit bereits Urtikarien behandelt wurden oder ob Fälle von Nesselsucht innerhalb der Familie vorkamen. Die Häufigkeit und Dauer bisheriger Nesselsucht-Erkrankungen ist ebenso wichtig wie eine etwaige Unverträglichkeit von Medikamenten und Nahrungsmitteln. Auch Nikotin und Alkoholgenuss können möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung einer Nesselsucht spielen. Um den Ursachen einer Nesselsucht auf den Grund gehen zu können, empfiehlt sich bei wiederholtem Auftreten einer Urtikaria die Führung eines Tagebuches, in dem die bemerkten Symptome sofort festgehalten werden. Um andere Erkrankungen als Ursache der Krankheitssymptome auszuschließen, können Stuhl-, Urin- und Blutproben untersucht werden. Wird im Einzelfall eine physikalische Ursache der Nesselsucht wie z. B. Druck, Kälte oder Wärme vermutet, besteht die Möglichkeit eines sog. Provokationstests, mit dem die Haut gezielt mit dem betreffenden Auslöser konfrontiert wird. Bei Verdacht auf eine Allergie, die etwa 10 % aller Urtikarien zugrunde liegt, wird ein „Prick-Test“ durchgeführt, bei dem möglicherweise krankheitsauslösende Stoffe mittels eines kleinen Stichs unter die Haut gegeben werden. Bilden sich daraufhin (zumeist innerhalb von 20 Minuten) Quaddeln, so ist eine allergische Reaktion auf den betreffenden Stoff zu vermuten. Zur Ermittlung von allergieauslösenden Antikörpern (IgE) wird ein „RAST-Test“ (Radio-Allergo-Sorbens-Test) durchgeführt. Dazu werden die vermuteten Allergene auf ein Filterpapier gegeben und das zu untersuchende Blut hinzugefügt. Etwaige im Blut enthaltene Antikörper binden dann die auf dem Filterpapier befindlichen Allergene. Ein Antikörper-Nachweis belegt aber noch nicht einen Zusammenhang mit der konkreten Nesselsucht. Ein solche Verbindung lässt sich erst anhand eines ergänzend durchgeführten Provokationstestes abschließend beweisen. Kommt eine Lebensmittelallergie als Ursache der Nesselsucht-Symptome in Frage, können verschiedene Ernährungsprogramme getestet werden, um festzustellen, ob und wie sich bei Einschluss oder Ausschluss bestimmter Lebensmittel die Symptomatik der Nesselsucht verändert.

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Besondere Formen der Nesselsucht

Eine sog. cholinergische Urtikaria (Schwitzurtikaria), bei der das vegetative Nervensystem eine Rolle spielt, kann sich beim Schwitzen nach körperlicher Anstrengung ausbilden. Ebenso scheint die Kombination eines Verzehrs heißer Speisen bei gleichzeitiger emotionaler Belastung eine cholinergische Nesselsucht auslösen zu können. Von dieser Form der Nesselsucht werden vor allem Menschen im Alter von 16 bis 35 Jahren betroffen. Auch eine cholinergische Urtikaria lässt sich durch einen Provokationszeit nachweisen. Die seltene „aquagene“ Nesselsucht (Wassernesselsucht) tritt bei Wasserkontakt auf. Allerdings liegt nicht eine Reaktion auf das Wasser vor, sondern eine Allergie gegen bestimmte im (nichtdestillierten) Wasser enthaltene Ionen. Bei aquagener Urtikaria entstehen bei Berührung von Regen-, Meer- oder Duschwasser nach ungefähr einer Viertelstunde bis zu erbsengroße, juckende, weißfarbige Knötchen (Papeln), die zwei Stunden sichtbar sein können.